Donnerstag, 03 April 2014 00:00 geschrieben von

Stacheltour Frühjahr 2014

Freitagmorgen... 6 Uhr... der Wecker quietscht! Na endlich! Schon wieder die halbe Nacht wach gelegen mit diesem Kribbeln in den Fingern. Endlich kann ich wieder ins Labor, an die Arbeit...
Quatsch natürlich ging es zum ANGELN!!! Ein verlängertes Wochenende am Rhein war angesagt. Tackle war schon am Vortag gepackt und Paul fuhr mit seinem gepimpten Flitzer pünktlich vor. Auch wenn schlechtes Wetter angekündigt war, schien die Sonne, als wir gen Norden in Richtung Leverkusen zu Henning aufbrachen. Eigentlich war unser Besuch schon für letztes Jahr geplant, doch musste das Ganze aufgrund meines Motorradunfalls verschoben werden. Mit Henning habe ich nun über ein Jahr via Facebook und Handy Kontakt. Er versorgt mich schon länger mit interessanten News rund ums Angeln und steht stets mit Rat bereit, sollten die Fische mal wieder nicht in Laune sein. Er hatte angeboten uns sein Angelrevier zu zeigen in dem er regelmäßig dicke Räuber ans Band bekommt. Tags zuvor hatte er mir schon einen Heissmacher via Whatsapp aufs Handy geschickt:

henning zander

Für unsere Tour prognostizierte er jedoch relativ schlechte Chancen, da die Fische in den letzten Wochen eher schnippisch waren und zusätzlich die Temperatur von Donnerstag auf Freitag um knappe 15 °C gefallen war. Augen zu und durch sollte so das Motto fürs Wochenende lauten aber die gute Laune ließen wir uns von der Prognose nicht verderben, schließlich wussten wir, dass die Fische da waren und früher oder später auch fressen werden.
Bevor die Rute geschwungen wurde, mussten wir jedoch was futtern und so gab es Frühstück in einer leckeren kleinen "Bäckerei".

mc doof

Frisch gestärkt kamen wir nach etwa 4 Stunden Fahrt in Leverkusen an und waren von der Lage unserer Unterkunft positiv überrascht. Statt Plattenbau wohnt Henning in einem gemütlichen Mehrfamilienhaus in ruhiger Lage (da hat man sich auch als Landkind direkt wie zu Hause gefühlt). Nach kurzem Smalltalk wurde das Angelzeug umgeladen und schon waren wir auf dem Weg in Richtung Wasser. Selbstverständlich war der erste Zwischenstopp der lokale Angelladen um Erlaubniskarten zu besorgen. Die Wochenkarte für 5€ ist für uns hier im Süden ein absolutes Schnäppchen, zahlt man hierzulande locker 15€ für eine Tageskarte. Infos vom Angeldealer bezüglich der richtigen Köder und Hotspots konnten wir uns getrost sparen, schließlich kennt Henning sein Hausgewässer wie seine Westentasche.
Am Wasser angekommen war mir klar, wieso Henning einen Spundwandkescher dabei hatte. Aufgrund des Niedrigwassers des Rheins lag die Angelstelle gute 5 Meter über der Wasseroberfläche. Unter einer kleinen Brücke versuchten wir unser Glück. Wir sollten entlang einer Spundwand werfen da hier immer wieder schöne Fische stehen. Wie es sich für einen guten Guide gehört, ließ uns Henning lächelnd den Vortritt mit den Worten: "Fangt ihr Mal was Jungs, ich kann hier jeden Tag angeln". Während Paul noch montierte machte ich den ersten Wurf. Kurze Absinkphase, einmal angekurbelt und BOOM! Total erschrocken setzte ich einen kräftigen Anhieb und merkte direkt, was passiert war: Mein Verbindungsknoten zwischen FC und Geflochtener war beim Anhieb gerissen! Henning hatte alles richtig gemacht und uns gleich zum Fisch gebracht, mit meiner Inkompetenz beim Knotenbinden hatten wir jedoch alle nicht gerechnet Unentschlossen. So freute ich mich zum einen darüber, dass die Fische wohl doch nicht ganz inaktiv waren, ärgerte mich aber zugleich über den verlorenen Fisch.
Wenige Minuten später, ich ärgerte mich noch immer, schrie Paul, dass er Fisch am Band habe. Die Rute stand ordentlich krumm und wir freuten uns auf den ersten Zander der Tour. "Moment mal, seit wann hat n Zander denn Streifen? Das ist n BBBBARSCH!!!" japste Paul kurz vor dem Nervenzusammenbruch. "Uiii und was für einer", dachte ich mir und schaute zu Henning, der das Ganze gelassen nahm. Als er den Barsch gekonnt in den Spundwandkescher führte, sagte er "kein Schlechter aber auch kein wirklich Großer". Paul, der über beide Ohren grinste, fiel vom Glauben ab, schließlich war sein Barsch PB bisher bei etwas über 30 cm. "Ihr fangt hier regelmäßig solche Klopper?", fragte Paul und bekam ein müdes Lächeln von Henning erwidert. Wenn ihr euch seine Fänge anschaut (KLICK), wisst ihr auch, dass er solche Fische tatsächlich regelmäßig am Band hat. Am Rhein ticken die Uhren halt in Sachen Raubfisch doch etwas anders als an unseren "Tümpeln".

barsch paul

barsch

Für die 46er Stachelkugel bekam Paul von Henning und mir natürlich ein fettes "High-Five" und Fotos, die er sich sicher übers Bett hängen wird. Nun war ich mir ziemlich sicher, dass ich beim ersten Fischkontakt keinen Zander, sondern auch so einen Prachtkerl verloren hatte (was mich nicht unbedingt glücklicher stimmte).
Nachdem sich an diesem Spot und dem nächsten Spot nichts mehr tat, gab es kurz vor Sonnenuntergang erst mal ein leckeres Abendessen, das Henning am Vormittag für uns besorgt hatte. Es scheint, als ob die zuvorkommende Art bei den Leuten im Rheinland selbstverständlich ist, schließlich hatte ZanderDieter uns bei unserer Tour 2009 auch am Wasser bewirtet.
Nach Einbruch der Dunkelheit wagten wir uns an einen weiteren interessanten Spot. Leider können wir euch hier keine Fotos von den Stellen zeigen, da es natürlich auch in NRW genug Leute gibt, die lieber Spots aus dem Netz klauen, anstatt sich die Mühe zu machen sich selber welche zu suchen. Natürlich ist es somit auch Ehrensache die Stellen, die man gezeigt bekommt, für sich zu behalten!
An besagter Stelle war trotz idealer Bedingungen zunächst kein Kontakt zu verzeichnen. Kurz bevor wir an den nächsten Spot aufbrechen wollten, versuchte ich einen etwas komplizierteren Wurf unter ein kleines Vordach, welches keine zwei Meter über dem Wasser stand. Der Wurf war sicher nicht der Beste und ich wollte den Köder schon wieder nach oben kurbeln, als der Gummi doch einen Abnehmer fand. Wieder saß der Anhieb und zu meiner Freude hielt auch die Schnur! Nach einer etwas komplizierten Landung (meine Stirnlampe hatte kaum noch Batterie) durfte ich den ersten Zander der Tour in meinen Händen halten.

zander1

Zander sind wie Barsche einfach schöne Tiere die man bei uns leider viel zu selten zu Gesicht bekommt. Nach diesem Fisch ging es auch schon weiter zum nächsten Spot. Laut Henning war der nächste Spot ein absoluter Fischgarant: ein flacher Bereich von etwa 1.5 Meter Tiefe umgeben von einer steilen Kante runter auf 4 Meter. Auch hier galt uns der Vortritt beim Werfen der Köder und schon beim zweiten Wurf an die Kante des Plateaus erfolgte der Biss. Leider platschte der Zander direkt an der Oberfläche und schlitzte nach wenigen Sekunden aus. Wieder gab es ein paar interessante Tipps von Henning um besagtes Ausschlitzen zu verhindern und so konnte keine 5 Minuten später ein weiterer schöner Zander, der den Gummi direkt vor der Steinpackung nahm, gekeschert werden.

zander2

Nach diesem Fisch packten wir unsere Sachen und machten uns auf den Weg nach Hause. Das war auch bitter nötig schließlich hatte ich mich schon lange nicht mehr so sehr aufs Bett gefreut. Ausschlafen war angesagt, die Räuber waren bei gegebenem Wasserstand ohnehin eher nachts unterwegs.

brücke

Samstag 9 Uhr: Ähm warum zum Teufel bin ich schon wieder wach? Ich wollte doch ausschlafen, bin noch mega müde aber schon wieder zu heiß auf Fisch, um vernünftig die nötige Ruhe zu finden. Nachdem dann eine SMS aus dem Nachbarzimmer von Paul kam, ob ich denn schon wach sei, wurde halt erst mal der Fernseher eingeschalten um auf DMAX ein paar Leuten beim Angeln zuzuschauen Cool.
Entweder war Henning auch ein Frühaufsteher oder wir waren zu laut, denn zwei Stunden später stand auch er wieder auf der Matte. Nach einem deluxe XXL-Frühstück in einer kleinen Bäckerei (dieses Mal war es wirklich eine), waren wir wieder auf dem Weg ans Wasser. Zunächst wurden die guten Stellen des Vortags abgegrast, leider nur mit zwei untermassigen Zandern. Der zunehmend starke Wind und Regen machten uns das Fischen zusätzlich schwer. Erst später in der Dunkelheit wurden die Fische wieder aktiv. An einer windstillen kleinen Bucht fanden wir nach einigen Stunden ohne Fischkontakt einen vielversprechenden Spot, der durch Straßenlaternen hell ausgeleuchtet wurde. Paul versuchte sein Glück direkt im Lichtkegel, Henning und ich fischten eher die Randbereiche ab. Bereits beim dritten Wurf wieder ein Zucken durch meine Rute. Kurz nach dem Auftreffen meines Köders auf die Wasseroberfläche hatte sich ein schöner Zander an meinem vergriffen. Nach kurzem aber knackigen Drill landete Henning den Fisch per Hand.

zander3

Die Fische waren aktiv am Jagen, weshalb wir die Gummis eher durchs Mittelwasser als am Grund jiggten. Die Rechnung ging auf und so konnte Henning endlich auch mal einen schönen Zander erbeuten, nachdem er uns bei den anderen den Vortritt gelassen hatte.

zander4

Paul hatte direkt im Lichtkegel weniger Glück und musste bangen heute als Schneider nach Hause zu gehen. Die letzte Chance bekam er an der Stelle an der ich Vortags den ersten Zander der Tour überlisten konnte. Wieder fischten wir eine ganze Weile am Spot ohne Fischkontakt. Ich versuchte wieder mein Glück unter dem kleinen Vordach, konnte aber meinen Köder nie richtig platzieren. Paul ging auf volles Risiko und traf die Stelle perfekt, was mit einem satten Biss und einer krummen Rute belohnt wurde. Doch statt dem erwarteten Zander hatte sich wieder ein fetter 45er Barsch den Köder einverleibt.

barsch 2

Jetzt hatte er wieder richtig gute Laune und war glücklich. Zwei Fische, deutlich über dem PB in nur zwei Tagen, das ist schon eine ordentliche Ansage. Der Barsch war für uns der letzte Fisch der Tour. Orkanartige Böen und starker Regen ließen die Temperaturen zumindest gefühlt deutlich fallen und so fiel es uns nicht schwer, die Rückfahrt anzutreten.

Sonntag war an Fischen nicht mehr wirklich zu denken und so machten wir uns gegen Mittag auf die Heimreise gen Süden. An dieser Stelle müssen wir uns nochmals bei Henning für seine Gastfreundlichkeit und seine offene Art bedanken. Vielen Dank für deine nützlichen Tipps, die auch hier bei uns Anwendung finden werden. Wie wir schon besprochen haben, muss diese Tour hoffentlich bald wiederholt werden, zuvor bist du jedoch eingeladen, hier bei uns dein Glück zu versuchen. Wir können zwar nicht mit fetten Barschen und Zandern locken, eine 50er Bachforelle ist aber auch eine tolle Sache am leichten Gerät.


Bis demnächst! Tight lines und Petri Heil

Klaus

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