Mittwoch, 12 Oktober 2011 19:55 geschrieben von

Der Sonne entgegen

Wieder ist ein Monat vergangen seit meinem letzten Bericht, allerdings hatte ich Besseres zu tun.

Aus dem Flieger

Die letzten drei Wochen habe ich mit meiner Freundin nämlich im sonnigen Florida verbracht. Dort hatten wir bei 35-40 °C mit tropischen Temperaturen und dem einen oder anderen Sonnenbrand zu kämpfen. Aber das macht man da ja gern. Neben vielen Ausflügen in die Umgebung von Crystal River mit und ohne ATVs (4-Wheelern) wurde auch das Wasser ordentlich genossen. Bei 25°C Wassertemperatur waren wir schnorcheln, nach Muscheln tauchen und haben natürlich fleißg geangelt. Nachfolgend ein kleiner Bericht über die Angelerfolge und Misserfolge. Im Voraus: Leider hat es auch dieses Jahr wieder nicht mit dem Tarpon geklappt, aber dazu nachher mehr.

Den ersten Fischkontakt konnte ich direkt am Bootsdeck im Garten verzeichnen – der Garten unseres Feriendomizils endete nämlich direkt am Wasser, indem sich verschiedene Süß- und Salzwasserfische tummelten. Größtenteils versteckten sich jedoch Meeräschen und Schwarzbarsche unter den Stegen. Da der Crystal River allerdings eine Sichttiefe von teilweise bis zu 10 Metern hatte, waren diese sehr schwer zu überlisten. Zudem war ich eigentlich nur auf die Salzwasserfische aus. Trotzdem konnte ich zwei etwas größere Barsche zum Landgang überreden. Keine Riesen, aber trotzdem schöne Tiere.

erster Fang des Urlaubs

Der erste Fisch des Urlaubs muss natürlich auch mit auf die Homepage.

Bass Bass

Da ich in der ersten Woche noch kein eigenes Boot zur Verfügung hatte, musste ich mich mit dem Angeln vom Ufer begnügen. An „Pete‘s Pier“ hat man jedoch realistische Chancen auf einen guten Fang. So dauerte es auch nicht lange, bis der erste Biss zu verzeichnen war. Nach kurzem Kampf zeigte ein schöner Redfish blank. Er hatte einem am Jig geführten Gulp-Shrimp nicht widerstehen können.

Redfish

Generell ziehen die Gulp-Shrimps in dieser Gegend extrem gut. Leider haben sie auch einen stolzen Preis - 6 Dollar für 8 Shrimps. Klingt vielleicht günstig, jedoch halten die Dinger höchstes 2-3 Fischen stand und gerade kleine Fische ziehen gerne mal einen angeknabberten Gulp vom Haken. Trotzdem sehr empfehlenswert!

An einer anderen Stelle, von der ich wusste, dass es dort Tarpone gibt, hatte ich mein Leader auf ein 0,70er Hartmono aufgestockt. Die Rolle war mit einer 18 Kg Geflochtenen bespult. Theoretisch eine gute Kombi für Tarpone, jedoch nicht im Nahkampf, wie ich feststellen musste. Die Tarpone lungerten oft unter den Stegen herum und warteten auf Fischreste, die die heimgekehrten Fischer am Pier ins Wasser werfen.
Also entscheid ich mich für einen Soft 4-Play von Savage, mit dem man super einen verletzten Fisch imitieren kann. Nachdem der Köder auf der Wasseroberfläche aufschlug, ließ die Antwort nicht lange auf sich warten. Sofort wurde er eingesaugt. Nach dem Anhieb hatte ich kurzzeitig die Kontrolle und konnte den Fisch mit Gewalt von den Pfeilern hinter sich fern halten. Was ich bis dato noch nicht wusste: Mein Gegner war nicht der erhoffte 1-Meter-Tarpon, sondern ein rund 2 Meter Exemplar. Diesen Fisch von den Pfeilern fernzuhalten - schier umöglich! Sollte der Tarpon seinen massigen Körper komplett unter Wasser bekommen, hätte ich keine Chance. Deshalb ging ich aufs Ganze und hielt die Bremse komplett zu um ihn nach oben zu pumpen.
Beim ersten Sprung blieb mir fast der Atem weg. WAS FÜR EINE GRANATE!!!! Kurz darauf fuhr die Schnur erneut aus dem Wasser, gefolgt von diesem Monster. Dieses Mal kam der Sprung mit einem gewaltigen Kopfschüttler. RUMMMMS... die Schnur flog mir entgegen und mein Fisch entschwand in den Fluten. Hatte das Mistvieh doch glatt mein Vorfach durchgebissen - und das ohne richtige Zähne. Tarpone besitzen nämlich nur Knochenplatten im Unterkiefer, die sogenannten Gulare. Theoretisch ungefährlich, jedoch nicht für mein Vorfach, das sich danach wie sandgestrahlt anfühlte.
Wie auch immer - ich blieb zwar ohne Fisch aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht zurück. Eine saucoole Erfahrung. Glücklicherweise hatte ich meine Kamera dabei und kann euch zwei Bilder vom Fisch zeigen.

Springender Tarpon Springender Tarpon

In der zweiten Woche bekamen wir dann ein eigenes Boot, sodass wir wann immer wir wollten das Flusssystem unsicher machen konnten. Befischbar waren jedoch nur die Morgen- und Abendstunden, da die Sonne um die Mittagszeit einfach mörderisch war. Leider hatten wir auch schlechte Tide-Zeiten. Die High-Tides waren immer mitten am Tag oder mitten in der Nacht. So war ein erfolgreiches Befischen der Flut fast nicht möglich. Wir gaben trotzdem unser Bestes. Die ersten Erfolge waren mit Ladyfishen auf Kunstköder und Welsen auf Naturköder zu verzeichnen. Hin und wieder zappelten auch kleine Snapper am anderen Ende. Es waren zwar keine Riesen, aber für Unterhaltung haben sie trotzdem gesorgt.

Franzis Wels

An einem sonnigen Spätnachmittag bekam ich einmal plötzlich einen guten Biss auf meinen Mag Squad 80. Da ordentlich Schnur von der Rolle gerissen wurde, wusste ich, dass ich etwas Besseres am Haken hatte. Als der Fisch langsam nach oben kam und ich sah wie groß er war, dachte ich sofort an einen Tarpon. An der Oberfläche fiel mir jedoch sofort der durchgehende schwarze Streifen am Körper auf. Ein Snook... und was für einer!!! Sofort hatte Franzi die zweite Kamera in der Hand und hielt voll drauf. Bange Minuten begannen, in denen der Fisch wilde Fluchten und Sprünge hinlegte. Glücklicherweise konnten wir den Snook im zweiten Anlauf per Kiemengriff landen. Wenn ich glücklicherweise sage, dann mein ich das auch so: Kaum hatte ich den Fisch an Bord, schon fiel der Wirbel aus dem Wobbler. Der Karabiner hatte sich im Drill geöffnet. Auf den Kameraaufnahmen sahen wir, dass wir den Fisch ca. 3 Minuten mit offenem Wirbel gedrillt haben. Schwein gehabt!!

Großer Snook

Großer Snook

Der Snook war wunderschön gezeichnet und mit Abstand der Größte, den ich bisher gesehen hatte. Leider hatten wir ihn in der Aufregung vergessen zu messen, jedoch schätze ich ihn auf ca. 90 cm bis evtl. 1 Meter. Oder was meint ihr? Ihr könnt ja einen Kommentar mit eurer Schätzung hinterlassen.
Der Fisch wurde natürlich gleich nach dem Shooting released. So wie sich das gehört!!!

In den folgenden Tagen blieben die großen Erfolge leider aus. Zwar sahen wir einige große Tarpone, aber da diese uns meist auch sahen, bissen sie leider nicht. Einen besseren Snook konnten wir noch auf einen kleinen Gummifisch überlisten.

kleiner Snook

Am vorletzten Tag gab es dann noch ein Erlebnis der besonderen Art. Ich angelte wieder vom Ufer aus an Pete‘s Pier. Kurz nach Sonnenuntergang erhoffte ich noch etwas mit einem Bonnie 95 zu erwischen. Während ich gespannt den Köder verfolgte, tauchten aus dem Nichts zwei Augenpaare und eine lange Schnauze neben meinem Köder auf. Noch bevor ich realisieren konnte, was das war, gab es einen lauten Platscher und einen starken Ruck in der Rute. Ein kurzer aber harter Drill begann und ich realisierte langsam, was geschehen war. Als ich dann unter mir einen Schuppenpanzer und große Zähne sah, war es gewiss: Ich hatte ein 120-cm-Alligator am Haken. HEY GEIL... mein erster Topwater-Gator :). Nun stand ich vor einer großen Herausforderung. Der Gator war ca. 1,5 Meter unter mir an der Spundwand. Das Ding per Hand zu landen kam aufgrund der großen Zähne nicht infrage. Also versuchte ich erst mal Hilfe zu ordern. Leider ging meine Freundin nicht an ihr Handy, da sie gerade leckeres Abendessen machte.
Natürlich hatte ich auch meine Kopflampe zu Hause vergessen, weshalb ich relativ ratlos im Dunkeln stand und mich zwei große Augen von unten böse anfunkelten.
Ich zog also den Alligator bis zu einer Laternenlampe, die wenigstens etwas Licht lieferte. Dort entschloss ich mich, das Reptil an der Schnur hoch zu ziehen. Nur was sollte ich tun, wenn ich es oben hatte... mich draufwerfen und riskieren dass es mir nen Arm abbeißt??? Den Köder würde es auf jeden Fall nicht kampflos zurückgeben. Glücklicherweise kam es aber nicht so weit - die Haken wurden aufgrund der ca. 10 Kilo Lebendmasse aufgebogen und lösten sich aus dem Kiefer. Mit allen Gliedmaßen am Körper machte ich mich daraufhin schnell vom Acker, nicht dass der Kleine noch seinen großen Bruder vorbei schicken würde.
Fotos gibt es leider keine, da ich weder Licht noch eine Kamera dabei hatte, aber hier mal ein schöner Gator den wir so fotografiert haben. Vielleicht ist das ja sein großer Bruder??

Gator

Es bleibt wieder mal zu sagen, dass Florida eines meiner Lieblings-Reiseziele ist. Die Leute sind freundlich, das Wetter ist der Hammer und überall ist Wasser in dem man angeln kann. Das einzig Negative ist, dass die Amis kein richtiges Brot haben :).

Finally i would like to thank Chris and Mike for their hospitality. It was a great pleasure to spend those wonderful three weeks with you. We really had much fun. Believe it or not!
Special thanks to Mike for the nice boat.

### UPDATE### Hier noch das Video zum Beitrag! ####UPDATE###

Tight Lines

Frogile

Hier noch ein paar Tierbilder vom American Wildlife:

Krokodil Gator

Gator

Reiher Eichhörnchen

Adler

Falke

Klapperschlange mit Maus

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