Donnerstag, 02 September 2010 12:41 geschrieben von

Die Fänge des „Great White Fishermans“

02.02.2010 - The Great White Fisherman

Trotz einer ungewöhnlichen Kaltfront beschloss ich vergangenen Dienstag erneut mein Glück im örtlichen Hafen. Vielleicht konnte ich ja den einen oder anderen Fisch trotz schlechter Bedingungen überlisten. Am Hafen angekommen machte ich eine nette Bekanntschaft mit zwei Afroamerikanern, die mir freudig ihren Fang (Catfish) zeigten und mir etwas über das Angeln mit Shrimps erklärten. Ein „everything likes shrimp“ machte mir deutlich, dass ich doch mal die Kunstköder beiseite legen und es mit konventionellen Methoden versuchen sollte. Dies war allerdings nicht möglich, da ich zu diesem Zeitpunkt keine Shrimps hatte, weshalb ich beschloss, einen Gummifisch über den Grund hüpfen zu lassen. Eine gute Entscheidung! Bereits nach wenigen Würfen durchfuhr ein heftiger Schlag meine Rute gefolgt von einer kurzen heftigen Flucht. Dieses Geschehen blieb meinen neuen Freunden nicht unbemerkt, weshalb die Landung meines ersten Redfish mit viel Staunen und großen Augen begleitet wurde.

redfish

Dieser 45 cm große Redfish gehört zu den hier als Gamefisch geltenden Spezies, weshalb er in Florida neben Snook und Tarpon zu den beliebtesten Fischen zählt. Mittlerweile war auch Mike eingetroffen, der nur mal vorbei schauen wollte und nun als Fotograf herhalten musste (vielen Dank noch mal dafür). Als gefeierter Held machte ich mich also wieder auf meine kleine Rampe und angelte weiter. Kurz darauf das gleiche Szenario. Im Absinken ein hammerharter Biss, Rute krumm und Bremse im Dauerbetrieb. Wieder wildes Gegacker von hinten und ungläubige Blicke brachten mich zum Grinsen. Was diesmal aus den Fluten kam, war ein schöner knapp 50 cm großer Redfish, den ich meinen neuen Freunden als Geschenk übergab.

redfish

Ab diesem Zeitpunkt wurde ich nur noch „the great white fishermen from Germany“ genannt und Allen, die zum Pier kamen wurde ausgiebig beschrieben, was ich doch für ein toller Angler sei und was ich für große Fische gefangen hätte. Ich tat so, als ob ich die Lobeshymnen nicht hören würde, jedoch bin ich innerlich sicherlich einige Zentimeter gewachsen. Da es nun jedoch schon recht dunkel geworden war und ich nur noch kleine Ladyfish fing, beschloss ich nach Hause zu gehen. Beim Verabschieden wurde ich noch mehrmals gefragt ob ich nicht morgen wieder kommen wolle. Wahrscheinlich erhofften sie sich mehr Redfish.

03.02.2010 - Ein ungewöhnlicher Fang

Da es am Mittwoch leider tagsüber regnete, war ich am Abend zusammen mit Franzi allein am Pier. Die Leute in Florida sind eben nur Sonne und warme Temperaturen gewöhnt. Nichtsdestotrotz flogen unsere neu gekauften Shrimps kurz darauf in die Fluten. Sehr überrascht war ich jedoch, wie schnell die Köder dankbare Abnehmer fanden, denn schon nach wenigen Minuten spannten sich die Schnüre so schnell, dass man denken konnte man hätte ein Schiff gehakt. So konnten wir innerhalb von nur 15 Minuten einen Sheephead und drei große Welse anlanden, die sich als sehr kampfstark und ausdauernd erwiesen. Diese Fische sind relativ leicht zu fangen und machen einfach nur Spass.

sheepheadwels

sheephead

Aber Achtung!! Behaltet eure Ruten im Auge!! Während ich Franzi bei der Landung eines größeren Welses behilflich war, dachte ein anderer Wels, er sei ein Rutentransporter und riss meine Rute in hohem Bogen in die Fluten. Völlig perplex konnte ich nur noch die Angel untergehen sehen.
Mit großem Gefluche suchten Franzi und ich nun das halbe Becken mit sinkenden Wobblern ab. Leider ohne Erfolg. Schließlich willigte Franzi ein, kurz nach Hause zu gehen, ihre Badesachen anzuziehen und nach der Rute zu tauchen. Vielleicht sollte man öfters Ruten versenken, wenn man dafür hübsche Mädels in knappen Bikinis zu Gesicht bekommt ;). Mir blieb dieser Anblick jedoch leider verwehrt, denn als ich meine zweite Rute aufgrund eines herankommenden Schiffes einholen musste, merkte ich etwas sehr Schweres an der Angel. Das wird doch nicht??? – Tatsächlich meine versenkte Angel!!!! Ich hatte sie zufällig im Rollenbügel gehakt, 30 Meter von Ihrer Absturzstelle. Was für ein Zufall!!! Doch es kommt noch besser: ratet mal was am anderen Ende zappelte?! Richtiiiiig, der selbsternannte Rutentransporter! Ein kleiner 35 cm langer schwarzer Catfish.

wels

Nach einer Standpauke durfte der Fisch jedoch wieder grummlig davonschwimmen. Glücklich über meinen ungewöhnlichen Fang beschloss ich mein Glück nicht weiter auf die Probe zu stellen und machte mich auf den Rückweg.

04.02.2010 Die spinnen die Deutschen

Nach dem Erfolg des Vortages waren wir guter Dinge und versuchten unser Glück erneut mit Shrimps. Wie erwartet mit einschlagendem Erfolg. Wir fingen Wels auf Wels und jedes Mal waren die Bisse und Drills atemberaubend. Teilweise hatten wir alle Ruten gleichzeitig belegt, weshalb es zwischendurch recht hektisch zuging und Ruten zwischen die Beine geklemmt wurden, sodass sie nicht davonflogen. Aus Fehler lernend, hatten wir unsere Ruten mit Expanderseilen gesichert, sodass wir keine Angst mehr vor Rutenverlusten bei Unachtsamkeit hatten.

welswelsrutensicherung

Gegen Abend und ca. 10 gefangene Welse später, kamen wie jeden Abend die Ladyfishe in den Hafen, um ihr Abendessen zu fangen. Lautes Platschen und springende Fische sind ein guter Indikator für unsere kleinen Tarpone. Also kurz kleine Gummifische und Wobbler montiert und Jagd auf die Räuber gemacht. Fast jeder Wurf fand einen dankbaren Abnehmer, weshalb wir nach kurzer Zeit einige kleinere Ladyfishe begutachten konnten. Da Franzi jedoch Probleme hatte, den sehr leichten Gummifisch über den Grund hüpfen zu lassen, wollte ich ihr ein paar Tricks zeigen. „Siehst du wie die Schnur erschlafft, wenn der Köder am Grund aufkommt? Dann musste wieder ankurbeln. Und wenn die Schnur was Komisches oder Untypisches macht, dann hauste an. Siehst du jetzt fährt sie nach links.“ -Anhieb- „Und schon haben wir einen neuen Fiiiiiiiiiiiiiiiii……..“ Den Satz konnte ich nicht beenden, denn der vermeintliche Ladyfish entpuppte sich, anhand stark gebogener Rute und kreischender Bremse, als etwas wesentlich Größeres. Schnell wurde die Rute wieder an Franzi übergeben, sodass sie ihren ersten größeren Fisch selbst drillen konnte. Gut 3 Minuten später konnten wir den Räuber landen: 61 cm Redfish (natürlich muss Franzi wieder den größeren Fisch fangen… Anfängerglück!!!).

redfish im drill redfish

redfish

redfish redfish

Nach einem Fotoshooting durfte der Dicke wieder zurück ins kühle Nass, sodass er noch weiter wachsen kann und wir ihn vielleicht irgendwann wieder fangen können. Diese Releaseaktion blieb auch den Afroamerikanern nicht unbemerkt. Diese riefen Stossgebete gen Himmel und konnten nicht glauben was sie sahen. „Oh maaaan, why did you release that fish maaaaaaan??? You Germans are CRAAAZYYYYY“. Wir mussten jedoch nur lachen und verabschiedeten uns von ihnen. Ist wohl noch nicht bei jedem angekommen, dass Releasen in Florida sehr gerne gesehen wird.
Hoffe wir sehen uns auch wieder

Tight Lines
Paul

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