Montag, 16 September 2013 20:19 geschrieben von

Lac de Gérardmer - Karpfenangeln in Frankreich

Endlich war es so weit. Lange geplant und mit viel Vorfreude ging es mit der ganzen Familie Richtung Frankreich. Ziel war der Lac de Gerardmer, ca. 1,5 Stunden von der französischen Grenze entfernt. Dort hatten wir uns ein nettes Domizil direkt am See gemietet. Dieser Umstand kam uns Anglern natürlich sehr zu Gute  Über den See hatten wir leider nur sehr wenige Informationen, allerdings wussten wir, dass der See einen beträchtlichen Karpfenbestand hatte. Da wir nicht den ganzen Tag auf dem See rumpaddeln konnten (war ja Familienurlaub), waren dieses Mal die Raubfische eher sekundär, ganz zum Leidwesen von Klaus. Aber auch ihn konnten wir in diesem Urlaub von den Vorzügen der Karpfenangelei überzeugen.

Gerardmer

Libelle auf der Rute

Noch bevor wir richtig ausgepackt haben, fuhren wir in die Stadt um Angellizenzen beim Touristinfo zu besorgen (30€ pro Woche). Voller Erwartungen flogen auch schon bald die ersten Ruten ins kühle Nass welche dank Spotrute präzise mit Partikeln und Boilies angefüttert wurden. Und tja, was soll man sagen... die ersten 3,5 Tage haben wir erst mal super durchgeblankt. Ob das an der Tatsache lag, dass uns dieses Gewässer gänzlich unbekannt war und wir deshalb Fehler machten oder dass wir am Ende eines Tiefdruckgebiets ankamen, bleibt nur schwer zu beantworten. Fakt ist jedoch, dass die Temperaturen um ca. 10 Grad gefallen waren und sogleich ein neues Hochdruckgebiet im Anmarsch war, was den Luftdruck deutlich nach oben drückte. Beides keine optimalen Bedingungen für die Karpfenangelei. Des Weiteren war unser Spot nicht optimal, da dieser sich natürlich direkt hinterm Haus befand. Dort fiel das Ufer sehr steil ab. Nach ca. 15 Meter Uferdistanz hatten wir schon eine Wassertiefe von ca. 10 Meter. Gespräche mit einheimischen Anglern bestätigten unsere Vermutungen auch, dass die Gebiete im Süden und Südosten für Karpfen besser seien, da sich dort größere Plateaus erstrecken (wir waren im Nord-Westen). Den ersten Fischkontakt nach knapp 3 Tagen konnte Klaus verzeichnen. Eine schöne Schleie hatte sich an seinem Köder vergriffen. Als eignetlich reinrassiger Raubfischangler freute er sich sehr über den Fisch, hatter er doch seit seiner Jugend keine mehr erwischt.

Schleie von Klaus

Er hatte fast den ganzen Urlaub auf Hartmais gesetzt und konnte so auch die meiste Aktivität an den Ruten verzeichnen. Meist waren es jedoch die fetten Rotaugen die hier massenhaft vorkommen und in windeseile die Spots leerräumten. Aus diesem Grund verzichtete ich ab dem dritten Tag auf Partikel und fütterte nur noch ganze Boilies. Als Hakenköder kamen bei mir Boilies und PopUps an den Haken. Ruwen fuhr zweigleisig und fischte eine Boilie- und eine Hartmaisrute. Wohl aus Verzweiflung durchsuchte er am 4. Tag meine Angeltasche und fand ein Glas eingelegten Mais mit Honig-Flavor, welcher garniert mit einem lila Gummimais als Attraktor nun das Blatt wenden sollte. Und so war es auch, denn schon kurze Zeit später war der erste Fullrun des Urlaubs zu verzeichnen. Der Fisch zeigte sich aufgrund des hohen Sauerstoffgehalts des glasklaren Wassers als recht kampfstark und so dauerte es einige Zeit, bis der Fisch über die Maschen glitt.

Ruwens Karpfen closeup

Der Fisch hatte ca. 8 Kg und war ein guter Start nach so langer Wartezeit. Angespornt vom raschen Erfolg, testete nun auch Klaus den Honig-Mais und fand schnell einen dankbaren Abnehmer. Wieder konnte er eine schöne Schleie überlisten.

Schleie im Netz

Schleie

Etwas misstrauisch wagte ich schließlich auch einen Versuch mit dem Honig-Mais, allerdings ohne auf meine geliebten Boilies zu verzichten. Dazu halbierte ich einen Boilie und zog dazwischen 3 Maiskörner. Sah irgendwie nach einem leckeren Burger aus. Das fanden offenbar auch die Karpfen, denn schon kurz nach Sonnenuntergang meldeten auch meine Bissanzeiger Fischkontakt. Zum Vorschein kam ein etwas kleinerer, aber makelloser Spiegler.

Karpfen am Abend

Die beiden letzten Angeltage liefen relativ gut. Zwar waren die Fische nicht im Fressrausch, jedoch konnten wir pro Tag ca. 3 Fische landen, womit wir angesichts des schlechten Starts zufrieden waren. Vermutlich hatten die Fische am Anfang des Urlaubs einfach keinen Hunger, aufgrund der wechselnden Wetterverhältnisse. Um so schöner, dass es nun lief. Auch die Drills waren echt klasse. Die Karpfen von Gérardmer haben ordentlich FS (Fischstärken) unter der Haube.

ruwens karpfen

Karpfen im Kescher

tinca

Karpfen

Nun noch einige Tipps zum Gewässer: wie schon erwähnt sind im Südosten die besten Plätze, da sich hier schöne Plateaus mit Tiefen zw. 4 und 9 Meter erstrecken. Das scheint mir die optimalen Tiefen (während der warmen Jahreszeit) an diesem Gewässer zu sein, da man eine Sichttiefe von ca. 3 Meter hat und die Fische gerade im Uferbereich recht scheu wirkten. Gefangen haben wir in Tiefen zw. 4 und 7 Meter. Im Südosten befindet sich zusätzlich ein Schongebiet, in welchem nicht geangelt werden darf und durch Bojen abgeschottet ist. Man darf allerdings seine Montagen bis an den Bojen ablegen.

Solltet ihr jedoch wie wir nicht in der Lage sein, an diese Stellen zu kommen, solltet ihr unbedingt darauf achten, dass eure Montagen nicht zu tief liegen. Der See fällt sehr steil ab und so kann es passieren, dass bei normaler Wurfweite die Köder in 20 oder gar 30 Meter Tiefe liegen. Dass da nicht viel gehen wird, sollte jedem klar sein. Eine Wurfweite von 10 bis 15 Meter ist also an den meisten Stellen ausreichend. Dabei ist zu achten, dass man nicht zu viel Lärm am Ufer macht. Eine Dauerbeschallung des Sees mit bayrischer Volksmusik und Elektrobeats, wie es bei uns der Fall war, ist dabei nicht förderlich (wir mussten den Franzosen ja zeigen, dass die "Kranke Horde" am See war)

Als Top-Köder kristallisierte sich ein Mix aus Honig-Mais und Pellet heraus. Damit konnten wir am letzten Tag innerhalb weniger Stunden gute Fische fangen, darunter meinen Größten des Trips und Klausi´s ersten echten Karpfen.

Klaus erster Karpfen

Karpfen

Positiv aufgefallen sind uns auch die Franzosen. Zwar sind sie wirklich sprachfaul, was ausländische Sprachen angeht (auch Englisch), jedoch sind sie Anglern sehr aufgeschlossen. So hatten wir bei unseren Drills teilweise 15 Wanderer im Nacken, die uns anfeuerten und bei jedem gelandeten Fisch Applaus spendeten. Und während man hierzulande befürchten muss, das Messer eines Tierschützers im Rücken zu haben, sobald man einen Fisch zurücksetzt, gibt es in Frankreich Sonderapplaus und Gratulationswünsche.

Rückblickend hatten wir in Frankreich wirklich eine klasse Zeit. Fischtechnisch gab es zwar nicht die Rekordfische, aber die super Familie und die "Mordsgaudi" machen diesen Urlaub unvergesslich.

In diesem Sinne, vielen Dank an die Familie und falls es euch mal an den Lac de Gérardmer verschlägt, könnt ihr uns gerne anschreiben und uns Fragen stellen oder gar eure Fänge präsentieren.

Tight Lines

Paul

P.S. Klausi haben wir nun auch etwas mit dem Karpfenvirus infiziert, wie man an seinem tollen Fang aus den Tübingern Gewässern erkennen kann :). Der Fisch hatte bei 55cm Körperlänge unglaubliche 6 kg auf die Waage gebracht. Kleines Dickerchen!!!

tübinger karpfen

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