Sonntag, 21 November 2010 00:00 geschrieben von

1000 Köder sind nicht genug!

Morgens um kurz vor 6 klingelte der Wecker... äh... doch nicht, war nur der Nachbar, der meint seine AfterParty nebenan mit lauter Musik und Geschrei zu feiern. Angler sind aber von Natur aus friedliche Menschen und so zog ich mir die Decke über den Kopf, um ihm nicht meine Faust vorzustellen. Um 8 Uhr (nach 2 Stunden Dauerbeschallung) kam Jochen und ich war froh dass es endlich losgehn konnte, Außentemperatur 0 °C! Die Wetterprognose hörte sich gut an und so sollte es bei Sonnenschein doch sagenhafte 5 °C "warm" werden. Jochen hatte sich im lokalen Angelgeschäft nach guten Zandergewässer erkundigt und so fuhren wir in Richtung Heilbronn um meinen geliebten Glasaugen mal wieder auf den Zahn zu fühlen. Am Wasser angekommen, gestärkt durch "Läberkääswecka", zunächst kurzes Staunen. Der See war deutlich kleiner als erwartet und im Schnitt etwa 1-1,5 Meter tief. Einzigst die starke Trübung lies mich auf mögliche Zander hoffen. Etwas ratlos war ich dennoch, da ich mit tiefem Wasser gerechnet hatte und so eher schwerere Bleiköpfe eingepackt hatte. Des Weiteren schienen die meisten meiner Wobbler ungeeignet, da sie für klares Wasser ausgerichtet sind. So hieß es halt Augen zu und durch: Köder testen!!!

 

Im Gespräch mit dem Besitzer des Sees stellte sich heraus, dass vor etwa einer Woche reichlich Hechte, Zander und vor allem Forellen eingesetzt wurden. Da die Forellen wieder aus dem See sollten, gab es für diese keine Schonzeit und so konnten wir zur Not auch diese beangeln. Bereits nach wenigen Würfen hatte ich auf meinen Zandergummi einen schönen Forellennachläufer der Lust auf mehr machte. So wurde kurz die Forellenrute ausgepackt und mal eben ein paar Würfe gemacht, frei nach dem Motto: Hauptsache Fisch! Jochen konnte schon nach wenigen Würfen die erste Bachforelle auf Spinner landen. Mit etwa 40cm ein klasse Start in den Tag. Wenig später gabs auch an meiner Rute einen fetten Biss, leider stieg die Forelle jedoch schon nach wenigen Sekunden wieder aus.
Der erste Fischkontakt war hergestellt, weshalb wieder auf Zander/Hecht umgestellt wurde. Während Jochen neu erworbene Wobbler durchs trübe Wasser zog, versuchte ich es mit einem Gummifisch meines Vertrauens, in einer Farbe die eigentlich für klares Wasser ausgelegt ist. Dennoch konnte ich einen Fisch zum Anbiss überreden und als sich nach dem Anhieb auch Widerstand am anderen Ende bemerkbar machte, hoffte ich auf den ersten Zander. Der vermeintliche Zander entpuppte sich jedoch schnell als halbstarker Hecht.

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In der nächsten Stunde tat sich nichts, außer dem Verlust meines Lieblingsjerks, weshalb wir nochmal Infos vom Gewässereigentümer holten. Ich erkundigte mich nach der tiefsten Stelle im See und so machten wir uns direkt auf den Weg, in der Hoffnung die Fische stehen wie erwartet im Tiefen. Während ich erfolglos das "tiefe" Wasser (etwa 2m) mit meinem Gufi abklapperte, wechselte Jochen munter seine Köder. Irgendwann war es ihm wohl zu blöd und so wechelte er den Zielfisch und griff mit einem extrem hässlichen Köder die Forellen an. Beim Köder der Wahl handelte es sich um einen Spinner-Gummifisch-Mix den ich wohl am ehesten in der Wühlkiste unter dem Tresen im Angelladen suchen würde (sorry Jochen ). Noch bevor ich richtig über den Köder lästern konnte flog er unter meinen skeptischen Augen ins kühle Nass. Die Skepsis verflog jedoch sehr schnell, als nach wenigen Würfen Jochens Rute krumm war und er japsend am Ufer stand. Irgendwas Großes hatte sich den Gammelköder einverleibt und zog kräftig an der Forellenrute. Wir trauten unseren Augen nicht, als ein fetter Hecht aus der Tiefe nach oben kam. Doppeltes Glück: Zum einen hatte der Hecht das 25er FC-Vorfach nicht in die Zähne bekommen und zum anderen hatten wir ausnahmsweise mal nen großen Kescher dabei und so konnte Jochens neuer PB-Hecht sicher gelandet werden.

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Wahrlich ein prächtiger Bursche der sich mit 72 cm schon sehen lassen kann. Petri Jochen!! Jetzt war der Fänger am lachen, ich hielt den Fisch zunächst für einen Zufallsfang, wohl ein Hecht mit Geschmacksverirrung.

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Als der Gammelköder jedoch wenig später zunächst eine mittlere Refo und anschließend den nächsten Hecht aus den Fluten zauberte, kam ich langsam ins Grübeln. Der knapp 60er Hecht spuckte leider direkt nach der Landung Blut und musste, wenn an diesem See auch untermaßig, entnommen werden.

pike

"Anscheinend stehen die Jungs auf Radau", murmelte ich vor mich hin als ich meine Köderbox nach einem Lipless Crankbait durchsuchte, welcher, Dank lauter Rasseln, ordentlich Terror macht. Leider musste ich feststellen dass der Köder meiner Wahl nicht in der Box zu finden war... immer das Gleiche, man kann nicht genug Köder mit ans Wasser schleppen. So musste ich gezwungenermaßen meinem Köder treu bleiben. Als Jochen jedoch eine weitere Forelle an Land beforderte, hatte ich die Pappen dicke und montierte meine Forellenrute mit einem kleinen Crankbait in knallrot. Natürlich waren alle normalen Forellen mit vernünftigem Geschmack an diesem Spot schon von Jochens hässlichen Köder verscheucht worden, weshalb wir die Stelle wechselten. An der jungfräulichen Stelle konnte ich nach wenigen Würfen meine erste Forelle des Tages landen. Eine dicke Refo mit 43 cm.

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Noch bevor ich den Fisch versorgt hatte und Jochen sagen konnte, dass die Fische hier wohl einen besseren Geschmack haben, war seine Rute erneut krumm. Ich musste kurz überlegen ob ich ihm beim Keschern helfen soll, oder ob ich ihn besser direkt ins Wasser trete.
Naja ich hatte mich dann doch für Ersteres entschieden und so zappelte nach heftigem Drill eine ähnlich große Refo im Kescher (wenn wir ehrlich sind, war meine bestimmt 1 oder 2 cm größer).

refo

Die nächsten Würfe brachten Fisch auf Fisch und so mussten wir schon anfangen Satzforellen zurückzusetzen, um nicht über das Fanglimit zu kommen. Natürlich war es wieder Jochen der einen besonderen Fang machte: eine, naja sogar 2 Goldforellen ließen sich seinen Köder schmecken. Dass die Albinos bei ihrer Behinderung keinen guten Geschmack haben können war ja eigentlich zu erwarten.

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Den letzten Fisch des Tages ging auch auf Jochens Konto. Ausgerechnet an einer Stelle, die ich vorher schon 10 Minuten gründlich abgefischt hatte. Wenn wir ehrlich sind, hab ich den Fisch einfach nur heiß gemacht und Jochen dann ganz billig abgestaubt.

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Für ihren schlechten Geschmack hat die knapp 45er Bafo dann zurecht eins auf den Deckel bekommen!! Wir versuchten anschließend unser Glück nochmals auf Zander, blieben aber ohne Erfolg. Eigentlich hatten wir vor bis in die Dämmerung zu fischen, da die Glasaugen dann erst in Fahrt kommen. Der Temperatursturz durch fehlende Sonne und die Tatsache dass Jochens Wunderwaffe irgendwo im Baum verschwunden war *hahahaha*, lies jedoch schnell alle Motivation schwinden und so machten wir uns schon um kurz vor 17 Uhr auf den Rückweg.
Noch bevor alles Tackle im Auto verstaut war, waren wir sicher nicht das Letzte mal an diesem See gewesen zu sein. Zwar konnten wir den eigentlichen Zielfisch nicht überlisten, doch kann man sicher im Sommer mal ein, zwei Stündchen in die Dunkelheit fischen und so seine Chancen auf die Vampire steigern.
Wenig und vor allem freundliche Ansitzangler, die Tagesgebühr von 10€ für max. vier entnommene Fische, der gute Raubfischbestand neben den Forellen und die Möglichkeit zum Spinnfischen, nehmen dem See den typischen Forellenpuff-Charakter und machen ihn auch für eingefleischte Raubfischfans interessant. Danke Jochen für den tollen Tag und dafür dass du mir wieder gezeigt hast, dass meine Tacklesucht völlig begründet ist und man nie genug Kunstköder haben kann. Auch wenn ich deinen Gammelköder sicher nicht ans Band hängen werd (naja evtl. mal in nem schwachen Moment ), hab ich jetzt schon ähnliche, hochwertigere Köder im Auge... jetzt muss nur noch das nötige Kleingeld mitspielen damit der Schulteraffe mal wieder seine Klappe hält!!!

Ach ja: Heut noch schnell am Neckar gewesen bei Dauerregen. Vier kleine Döbel konnten nicht widerstehen.... Jochen blieb Schneider *muhahahaha* (hätte er das Schutzplastik vom Drilling seines neu erworbenen Gammelköders entfernt, hätte ich wahrscheinlich wieder geweint, da er nen Mega-Fisch am Band hatte, der Dank des Schutzplastiks nicht hängen blieb). Mach dir nichts draus Jochen, so bist du wenigstens einem Vollbad im Neckar entgangen!!!

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Wünsch euch eine erfolgreiche Woche am Wasser!!

Euer Klaus!

 

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